Begehbare Verglasungen schaffen reizvolle Glaspalast-Atmosphäre

Entscheiden Sie sich für einen Glasboden oder Treppenstufen aus Glas, so rechnen Sie damit, dass einige Ihrer Besucher irritiert vor dem Auftritt zurückschrecken. Dies ist bedingt in unseren tiefsten archaischen Instinkten. Doch sie zu überwinden ist umso reizvoller, nicht nur in gestalterischer Hinsicht. Eine weitere Anwendung sind Leuchtböden: transluzente Gläser, z.B. mit Mattfolien oder satinierten Glasoberflächen, werden von unten hinterleuchtet. Trotz ihres komplexen Aufbaus schaffen Glasböden und –treppen eine ungewöhnlich leichte, lichtdurchflutete Atmosphäre.

Welches Glas eignet sich für begehbare Verglasungen?

Begehbare Verglasungen bestehen aus einem mindestens dreischeibigen Verbundsicherheitsglas. Die unteren Scheiben erfüllen die Tragfunktion. Die obere Deckscheibe, i.d.R. ein sechs Millimeter starkes Teilvorgespanntes Glas (TVG), ist die sogenannte „Opferscheibe“, d.h. die Einheit muss statisch weiter tragfähig sein, wenn diese Scheibe zerstört wird. Der Flachglas MarkenKreis empfiehlt für Bodenverglasungen SIGLA® Walk. Es erfüllt die Anforderungen der DIN 18008 Teil 5 und ist ein geregeltes Bauprodukt und benötigt keine kosten- und zeitintensive Zustimmung im Einzelfall (ZiE) durch eine Baubehörde. Voraussetzung für einen Glasboden ist eine ebene und biegesteife Unterkonstruktion. Darauf werden die Glaselemente verlegt.

Gestaltung von begehbarem Glas

Für Bodenglas stehen alle Veredelungsmöglichkeiten offen, die auch für die übrigen Anwendungen von Wohnglas gelten: Möglich ist das Bedrucken mit individuellen Designs und Motiven, Ätzen, Sandstrahlen, Lackieren und Emaillieren. Besonders eindrucksvoll und reizvoll ist die geschoßübergreifende Tiefenwirkung, wie sie nur bei klarem Glas entsteht. Veredelungen, die die Glasoberfläche aufrauhen, fungieren bei begehbaren Böden zusätzlich als Antirutsch-Beschichtung.

Antirutsch-Oberfläche – ein Muss?

In öffentlichen Bereichen ist eine Antirutsch-Oberfläche gesetzlich vorgeschrieben, nicht jedoch in privaten Anwendungen. Das Erfordernis einer Antirutsch-Oberfläche ist situativ abzuwägen und letztendlich auch von der Flächengröße abhängig. Unbedingt zu empfehlen ist eine rutschhemmende Oberfläche im Außenbereich und in Wohnzonen, in die Nässe von draußen hereingetragen werden kann, wie im Flur oder vor Terrassentüren.

Rutschhemmende Oberflächen

Eine rutschhemmende und somit unfallverhütende Wirkung erzielen folgende Bearbeitungen:

    Sandstrahlen
    Geätztes Dekorglas (Madras®-Glas)
    Laserglazing /Laserstrukturierung
    Im Siebdruck aufgebrachte rutschhemmende Emaille.

Zumeist sind diese Bearbeitungen teilflächig in bestimmten Mustern angeordnet. Die Höhe der Rutschsicherheit bzw. Trittsicherheit wird mit dem sogenannten R-Wert bemessen. Das bedeutet konkret: Je dichter das aufgebrachte Muster ist, desto höher ist der R-Wert und damit die Rutschsicherheit. Doch dies geht leider zu Lasten der Transparenz.

Tipp: Bei größeren Flächen sollten die zum Glasboden angrenzende Oberflächen die gleiche oder eine ähnliche Rutschhemmungsklasse aufweisen. Bei hohem Gefälle kann der Übergang zur veränderten Gehsituation Stolpern begünstigen.

Vor- und Nachteile in der Pflege

Gläser mit glatten Oberflächen sind extrem pflegeleicht. Lackiertes, damit opakes Glas macht als begehbares Glas nur bedingt Sinn (keine Transparenz, keine Transluzenz: warum dann Glas?Für Glas mit aufgerauhter Oberfläche, wie mit Satinierungen per Sandstrahlung oder Ätzverfahren, gilt dies jedoch nicht mehr. Es ist weitaus pflegeintensiver und diesbezüglich mit einem Polster oder Teppich vergleichbar: Möglich, dass selbst sorgfältig entfernte Kaffee-, Obst oder Rotweinflecken Spuren hinterlassen.

Das gilt nur für Sandstrahlung. Speziell satinierte Gläser (geätzt, Ätzgravur)
Das streichen wir lieber, denn das verschreckt sicherlich jeden

Handwerksbetriebe im Wohnglas-Verbund sind erfahren in begehbaren und befahrbaren Glasanwendungen. Wagen Sie Perspektivwechsel!

Treppen

Eine einfache und verbreitete Anwendung begehbarer Verglasungen sind Treppen. Gläserne Treppenstufen und -podeste machen Treppen besonders filigran und schaffen eine beeindruckende Optik

Böden

Begehbare Verglasungen schaffen eine überraschende Transparenz. In Geschossdecken eingesetzt, schaffen sie außergewöhnliche Sichtverbindungen oder machen sonst verborgenes sichtbar.